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alpen:beschneiung:sudelfeld [Gesellschaft für ökologische Forschung]

**Sudelfeld**

Am Sudelfeld wurde die größte Beschneiungsanlage im deutschen Alpenraum gebaut - mitten im Landschaftsschutzgebiet.

Am 7.5.2014 beschloss der Bayerische Landtag mit den Stimmen von CSU und Freien Wählern die Förderung des privaten Ausbaus dieser Beschneiungsanlagen, obwohl noch kein Förderantrag vorlag. Das private Millionen-Projekt könnte staatliche Förderung von ca. 30 Prozent erhalten.

Der Bund Naturschutz (BN) und der Deutsche Alpenverein (DAV) haben vor Gericht gegen die Genehmigung des Landratsamtes Miesbachs geklagt. Unterstützt wurde die Klage vom Verein zum Schutz der Bergwelt, Mountain Wilderness, NaturFreunde Deutschland, CIPRA Deutschland und der Gesellschaft für ökologische Forschung. Trotz der Klage wurde am Sudelfeld gebaut. Deshalb sollte zunächst ein sofortiger Baustopp erreicht werden. Der Baustopp wurde vom Bayerischen Verwaltungsgericht München abgelehnt. DAV und BN haben Beschwerde gegen diesen Beschluss eingelegt. Auch diese Beschwerde wurde zurückgewiesen!

Am 18.9.2014 gaben BN und DAV auf einer PK bekannt: „Das Hauptverfahren, in dem BN und DAV gegen den Ausbau der Beschneiungsanlagen geklagt hatten, ist damit zwar noch nicht entschieden. BN und DAV werden es allerdings vor dem Hintergrund der abgewiesenen Beschwerde und entsprechend fehlender Erfolgsaussichten allerdings nicht weiter betreiben. „Wir bedauern die Entscheidung des Gerichts ausdrücklich“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BN, am 18. September in München. „Mit dem Ausbau der Beschneiungsanlage am Sudelfeld wird ein völlig falsches Signal für die Entwicklung des Alpenraumes gesetzt, da damit kurzfristigen ökonomischen Interessen der Vorrang vor dem Schutz und der Erhaltung der gerade durch den Klimawandel besonders bedrohten Alpenlandschaft eingeräumt wird.“ DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig forderte vor diesem Hintergrund: „Mehr denn je brauchen wir jetzt eine noch breitere öffentliche Debatte über die touristische Entwicklung der gesamten bayerischen Alpen.“

Ein Teilerfolg für die Verbände war die Herabsetzung des Beschneizeitraums von geplanten viereinhalb auf dreieinhalb Monate.

„Politik und Tourismus verpassen hier die Chance, sich schon heute auf künftige touristische Anforderungen einzustellen. Angesichts des Klimawandels sollten die bayerischen Alpengemeinden nicht einseitig auf Pistentourismus setzen, sondern eine breite Palette an zukunftsfähigen touristischen Alternativen entwickeln. Dafür sind allerdings Ressourcen nötig, die im Ausbau von Skigebieten gebunden wären.“ (aus der PM vom 5.6.)

siehe auch Artikel http://www.mountainwilderness.de/

Am 14. Dezember 2014 fand die Preisverleihung zum „Bock des Jahres“ im Rahmen einer Kundgebung in Bayrischzell statt. Mountain Wilderness Deutschland verlieh diesen Preis - mit ideeler Unterstützung der anderen Naturschutzorganisationen - für die größte Umweltsünde im deutschen Alpenraum an die Liftbetriebe Sudelfeld.

Worum geht es

Das Sudelfeld liegt im Mangfallgebirge nahe Bayrischzell in den bayerischen Alpen. Auf Höhen zwischen nur 800 und 1563 m ü. NN ist die größte Beschneiungsanlage Bayerns geplant:

mit insgesamt über 70 Hektar beschneibarer Pisten-Fläche, 17 km Schneileitungen und ca. 250 Schneekanonen und Schneelanzen.

Im Klimawandel sind solche Anlagen das völlig falsche Signal. In unserer Gletscherdokumentation www.gletscherarchiv.de zeigen wir, wie schnell der Klimawandel sogar im Hochgebirge wirkt.

Das Sudelfeld liegt niedrig und wird auch im Winter besonnt. In anderen Alpenländern haben einige niedrig gelegene Skigebiete bereits dicht gemacht: Ursache war das milde Wetter - am Saisonbeginn, an Weihnachten, am Saisonende, während häufiger werdenen Wärmeperioden im Hochwinter. Trotz neuer Beschneiungsanlagen konnte man keine Schneesicherheit garantieren: Auch Kunstschnee braucht Minusgrade.

Und hier am Sudelfeld will man dem Klimawandel ein kunst-schnee-sicheres Skigebiet abtrotzen? Mit falscher Strategie ist man dabei, wertvolle Landschaft und Natur zu zerstören.

Große Beschneiungsanlagen sind technische Bauwerke und führen zu einer industrialisierten Landschaft, deren Einbauten auch im Sommer sichtbar sind.

Unterirdisch verlaufen die Leitungen in Gräben, der Bodenaufbau und der natürliche Wasserhaushalt werden „nachhaltig“ ge- und zerstört. Prof. Carmen de Jong hat das in einem Gutachten eindrucksvoll nachgewiesen - bei den Genehmigungsbehörden wurde dieses Gutachten nicht berücksichtigt.

An der Walleralm wurde das „Kernstück“ gebaut: ein riesiges Wasserbecken für mehr als 150 Millionen Liter (150.000 Kubikmeter) Wasser. Im Genehmigungsbescheid steht: Um den „hierzu benötigten Wasserbedarf der Beschneiungsanlage sicherzustellen, soll ein Speicherbecken mit rd. 155.000 m³ Fassungsvermögen gebaut werden.“

Die Zufahrtsstraße (im Hintergrund) zur Walleralm wurde verlegt.

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

Statt der Almwiesen gibt es jetzt das riesige Speicherbecken - mit Damm, Überlaufsicherungen, Kontrollsystemen und Pumpstationen.

Nach bisherigen Erfahrungen müsste man zusätzlich Kühltürme und Umwälzpumpen an das Wasserbecken bauen, denn das Wasser ist im Winter zu warm für die Beschneiung. Ob das Wasser aus dem Auerbach (wie geplant) für die Beschneiung ausreichen wird, zweifeln Fachleute stark an. Nach bisherigen Erfahrungen mit großen Beschneiungsanlagen wurde der Wasserbedarf immer unterschätzt.

Auch die Umgebung wurde überbaut: mit Skipisten und Schneileitungen, mit Zapfstellen und mit Schneekanonen.

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Sylvia Hamberger

Sommertourismus, ade.

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Sylvia Hamberger

Was wird aus der Artenvielfalt der Bergwiesen?

Auffallend bei den erfolgten Bauarbeiten ist die aufwendige „Kosmetik“: Wiesenteile und Rasensoden werden auf die kahlen Stellen wieder aufgebracht - da sieht man auf den ersten Blick nicht, was Bauarbeiten darunter bereits angereichtet haben: Die Böden unter den Soden sind bearbeitet, oft verdichtet, kleine Feuchtgebiete zerstört. Was wächst danach wieder an, was nicht?

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

In einer Petition hatten sieben Verbände, auch die „Gesellschaft für ökologische Forschung“, die bayerische Staatsregierung aufgefordert, auf die Einstellung der laufenden Planungen hinzuwirken und keine staatlichen Fördermittel zur Verfügung zu stellen. Diese Petition wurde vom damaligen Wirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtages mit den Stimmen von CSU, FDP und Freien Wählern abgelehnt.

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Sylvia Hamberger

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Sylvia Hamberger

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

Aus den genannten Gründen unterstützte die Gesellschaft für ökologische Forschung die Klage von BN und DAV - zusammen mit anderen Naturschutzverbänden.

Sylvia Hamberger, Axel Doering