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Ausbauten der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen für die Ski-WM 2011

Gesellschaft für ökologische Forschung in Zusammenarbeit mit Axel Doering

Wintersportgroßveranstaltungen mit Ski-Weltcup und Ski-WM werden im Fernsehen übertragen. Nicht gezeigt und nicht thematisiert werden die Auswirkungen auf Natur und Landschaft.

Was das bedeuten kann, zeigt der Umbau der Skipisten an der Kandahar für die Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen.

Die steigenden Anforderungen der FIS für Alpine Weltmeisterschaften haben nach Baubeginn alle bereits genehmigten Pläne (auch die Plan-Grundlagen für den WM-Zuschlag durch die FIS) zu Makulatur gemacht.

Im ersten Bauabschnitt wurde die sogenannte

„FIS-Schneise“

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

von bisher 16 auf 39 Meter verbreitert und auf der Innenseite der Hang abgetragen. Die Außenseite mit Sicherheitsnetzen (ganzjährig) ist durch eine zehn Meter breite Brücke erweitert worden.

Aber das reichte nicht: Planungsänderungen erforderten im Sommer 2008 weitere Rodungen und Baumaßnahmen unter dem Kreuzeck: „Für den im kommenden April beginnenden Endausbau der Kandahar-Abfahrt haben der Internationale Skiverband (FIS), das Organisationskomitee der Alpinen Ski-WM 2011 und die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen um Änderungen der bisherigen Planungen gebeten.“ (Garmischer Tagblatt 21.11.2007). Also erst nachträglich forderte die FIS die fast vollständige räumlich Trennung der Damen- und Herrenabfahrt:

Eine zweite neue Piste

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

mit nahezu 1400 Meter Länge und einer Höhendifferenz von über 700 Meter erforderte umfangreiche Rodungen des Bergwaldes und Erdarbeiten mit schweren Maschinen in diesem labilen und steilen Berghang.

Da das Wasser der Garmisch-Partenkirchener Trinkwasserquellen und des Hammersbaches für die Beschneiung nicht mehr ausgereicht hatte, baute man in 1350 m ü. NHN

einen zweiten großen Speichersee

|© Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Sylvia Hamberger}}

der zusammen mit dem Speicherteich auf 1250 m ü. NHN ca. einhundertzehntausend Kubikmeter Fassungsvermögen hat.

Diese Teiche sollen in kurzer Zeit das Wasser für die Beschneiungen liefern. Zur Füllung der Beschneiteiche wird das Wasser aus dem Tal herauf gepumpt. Trotzdem reicht der Bedarf schon heute nicht für die gleichzeitige Beschneiung der Wettkampfpisten und des normalen Skibetrieb aus. Es muß entweder ein weiterer Speichersee gebaut oder Wasser aus dem Tal nachgepumpt werden. Ende 2009 hat man die Beschneiungsanlagen an den Tiefbrunnen an der Degernlahne angeschlossen, das heißt das fehlende Wasser wird seither aus Garmisch-Partenkirchner Tiefbrunnen entnommen. Diese Entnahme von wertvollem Tiefen-Grundwasser ist grundsätzlich negativ zu bewerten.

Trögelhang

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

Neben der Trögelhütte wurde der Bergwald auf großer Fläche gerodet. Hierhin kippten 40 Tonner-LKW den

Aushub des neuen Beschneiungssees

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

Die Anlage von Speicherseen und die Ausbringung des Aushubs zerstören wertvolle Flächen am Berg. Oberhalb der Trögelhütte wurde ein 90 Meter langer und acht Meter breiter

Tunnel

als „Querverbindung“ in den Hang gebaut.

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

Auf dem Tunnel verläuft jetzt die WM-Piste. Wegen dieses Tunnelbaus gab es im Jahr 2008

zwei Bergrutsche

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

Die Planungs-Geologen hatten die Standsicherheit aller Hänge attestiert – obwohl es bereits in den Jahren 1972 und 1993 „bei den Trögeln“ zu Rutschungen gekommen war. Das Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention verbietet in Art. 14 die Anlage von Pisten in labilen Bereichen. Der Weiterbau am Trögelhang missachtete also auch diese gesetzlichen Vorgaben der Alpenkonvention.

Der Berghang unter dem Kreuzeck ist sehr steil. Bergwald ist hier als Schutz besonders wichtig. Mit einem Gefälle von 90 % ist der sogenannte Freie Fall die steilste Stelle im gesamten Weltcup. Für diesen Pistenabschnitt wurde sogar gesetzlich ausgewiesener Schutzwald gerodet. Aber nicht nur Skifahrer kommen hier schnell runter. Auch der Hang selbst ist rutschgefährdet.

Hinzu kam der Um- und Ausbau der Kreuzjochbahn – der „Kandahar-Express“: Ein neuer Vierer-Sessellift mit beheizten Sitzen und einer Beförderungskapazität von 2000 Personen pro Stunde für allein acht Millionen Euro hat ebenfalls Bergwald-Rodungen und massive Erdarbeiten nach sich gezogen. Auch hier gingen die Bauarbeiten weit über die zunächst genehmigten Planungen hinaus. Oben thront einen neue Bergstation und ein „Starthaus“:

„Außerdem passt sich die Architektur der neuen Gebäude dem Landschaftsbild optimal an“

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

(Zitat: Webseite GAP2011).

Einschließlich der Flächen für den Speichersee, der Erd-Deponien und dem Neubau der Kreuzjochbahn wurden für die WM-Ausbauten über 16 ha (!)

wertvoller Berg- und ausgewiesener Schutzwald gerodet

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

– dabei wurden Bäume mit bis zu einem Meter Durchmesser gefällt. Diese Rodungen haben die Vorgaben des Bergwaldprotokolls der Alpenkonvention (ein völkerrechtlich bindender Vertrag) missachtet: In Art. 6 wird den Bergwäldern mit Schutzfunktion eine Vorrangstellung eingeräumt – sie sind „an Ort und Stelle zu erhalten“.

Bergwald

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Oswald Baumeister

ist für die Besiedelungen und die Infrastruktur des (bayerischen) Alpenraumes als Bodenschutz und Wasserspeicher von elementarer Bedeutung. Ohne Bergwald erhöht sich die Gefahr von Fels- und Hangrutschungen, Bodenabtrag, Erosion, Lawinen und Hochwasser.

Wie wenig über diese Zusammenhänge und sachlich orientierte Bewertungen des Pisten-Ausbaus nachgedacht wird, zeigt das Zitat von Felix Neureuther in der Tageszeitung „Die Welt“, 29.01.2009:

"Es war beeindruckend zu sehen, wie aus einem Berg voller Bäume auf einmal so eine geile und krasse Strecke entsteht."

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

Mit massiver Landschaftszerstörung wurde die Kandahar “weltmeisterlich“ hergerichtet.

Die „Nachhaltigkeitsdefinition“ und der „Umweltschutz“ werden dabei ebenso instrumentalisiert wie in der Vorbereitung zu der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018:

„Die Natur spielt in und um Garmisch-Partenkirchen eine besondere Rolle .. Wir wollen eine Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz bei Sportgroßveranstaltungen einnehmen“ (Walter Vogel, Geschäftsführer des WM-Organisationskomitees, im Oktober 2009 bei der Vorstellung des Mottos der FIS WM 2011 „Festspiele im Schnee – Natürlich Bayerisch“).

Trotz der Millioneninvestitionen fiel bereits das erste Weltcuprennen – die „Einweihung“ der neuen WM-Pisten - schon Wetterkapriolen zum Opfer:

Der Nebel war zu dicht – die Rennen wurden abgesagt

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Daniela Grosse

Das zeigt deutlich, daß nicht nur das Fehlen von Schnee, sondern auch andere Wetterfaktoren die Wettbewerbe unsicher machen. Außer Nebel könnten dies auch zu heftige Schneefälle sein, da Starkniederschläge im Winter – als Schnee oder als Regen - häufiger werden (Klimawandel). Die Risiken liegen weitestgehend bei der Gemeinde – auch bei Renn-Absagen.

Der Umbau der Kandahar

(c) Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung / Axel Doering

die Zerstörungen und die Planungsunzuverlässigkeit gebieten größte Skepsis gegenüber der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018.